"Wir müssen uns auf jeden Gegner gut vorbereiten!"
Im Interview erklärt Juan Swett, Trainer unserer 1. Herren, die Berlin-Liga und seine Arbeitsweise.
Hallo Juan, Glückwunsch zum heutigen Sieg. Wie bist du zufrieden mit den ersten 11 Spielen?
Es ist ok, wir haben 16 Punkte geholt, auch wenn es der eine oder andere Punkt mehr hätte sein können. Aber es sind auch Spiele sehr gut für uns gelaufen. Fünf Siege für einen Aufsteiger sind eine sehr gute Ausbeute.
Heute gegen Croatia waren die Punkte sehr wichtig, gerade nach der 3:9-Packung in der Woche bei Viktoria.
Gegen Viktoria hätten wir vielleicht etwas defensiver stehen können, aber man muss auch immer sehen, welche Spieler gerade da sind. Die Niederlage kann ich auf meine Kappe nehmen, doch es fehlen immer wieder wichtige Akteure – so auch am letzten Mittwoch. Viktoria hat es sehr gut gemacht und am Ende hochverdient gewonnen.
Du sprichst es an, jede Woche fehlen Leute. Trotzdem kriegt ihr das gut kompensiert, oder?
Wir müssen zufrieden sein, auch wenn ich natürlich gern an jedem Wochenende aus dem Vollen schöpfen würde. Wir haben in dieser Saison schon 28 Spieler eingesetzt, das ist wirklich viel. Aber am Ende machen es alle gut. Wir haben wirklich Pech mit den Verletzungen, manchmal kommt die Arbeit oder ein Kurzurlaub dazu. So ist das im Amateurfußball ohne Geldzahlungen und Prämien. Das geht auch anderen so. Wir müssen damit klarkommen und haben nicht umsonst einen breiten Kader, den wir jetzt brauchen. Heute haben wir gesehen, dass auf alle Verlass ist. Das waren drei sehr wichtige Punkte.
Gegen Croatia war der Sieg eingeplant, gegen Wilmersdorf eher überraschend.
Es ist gegen jeden Gegner schwer, wobei wir gegen Wilmersdorf wirklich ein überragendes Spiel gemacht haben. Alle haben sich zerrissen und verdient gewonnen. Wir lernen in jedem Spiel dazu, die Spieler, aber auch wir im Trainerteam. Die Berlin-Liga ist in der Breite deutlich stärker als die Landesliga, jeder kann jeden schlagen. Und wir müssen uns auf jeden Gegner gut vorbereiten. Funktioniert es mal nicht so gut, klappt es im nächsten Spiel wieder besser.
Ihr habt schon gegen viele von oben gespielt. Wer war am stärksten?
Charlottenburg war in der Spielanlage schon am besten, sehr ausgeglichen, sehr selbstbewusst. Dazu haben sie einen großen und sehr starken Kader. Empor hat auf dem kleinen Platz im Prenzlauer Berg deutliche Vorteile, hat gestern auf dem Rasen bei Türkspor aber richtig eingeschenkt bekommen. Türkspor hat bei uns glücklich gewonnen, war vielleicht einfach ein bisschen cleverer. Viktoria hat sehr schnelle Spieler, ist aber auch nicht beständig.
Wer ist dein Meisterschaftsfavorit?
Ich glaube, Charlottenburg wird sich am Ende durchsetzen, aber die Saison ist lang. Es kann immer so viel passieren.
Und ihr, wo landet dein Team?
Das wird natürlich damit zu tun haben, wer auf Dauer zur Verfügung steht. Aber wenn wir nicht zu viele Dauerverletzte haben, halte ich Platz 7 für durchaus realistisch. Die Mannschaft kommt von Spiel zu Spiel weiter und wird sich nach und nach besser auf die Liga einstellen. Allerdings sollten wir nicht glauben, dass es gegen die Teams der unteren Hälfte viel leichter wird. Alle werden kämpfen und gerade gegen einen Aufsteiger nicht verlieren wollen. Wir müssen in jedem Spiel voll konzentriert sein und 100 Prozent geben. Dann bin ich zuversichtlich, am Ende einen einstelligen Tabellenplatz erreichen zu können.
Gibt es etwas, das du dir wünschst?
Weniger Verletzte und viele Punkte. Aber konkret wäre es gut, wenn wir in der medizinischen Betreuung zulegen könnten. Die Liga ist mit 19 Teams recht intensiv, da wird es immer mal wieder Verletzungen geben. Man sieht es ja, das geht vom Muskelfaserriss, über Entzündungen bis hin zur Bauchmuskelzerrung.
Ich nehme das mal als Auftrag für den Verein mit und habe eventuell eine Idee. Vielleicht kann die Mitgliedschaft des Vereins im Netzwerk Südkreuz weiterhelfen.
Das wäre super und würde uns helfen.
Noch eine Frage, die nicht nur deine Mannschaft betrifft: Du bist ausgebildeter Analyst und hilfst auch Trainern anderer Inter-Teams. Wie sieht das konkret aus?
Jede Trainerin, jeder Trainer ist willkommen. Ich kann ihnen Tipps zum Programm geben, worauf sie bei den Kameraaufzeichnungen achten sollten. Das Veo-Programm kann eine ganze Menge, wir nutzen es ja auch für das Tor des Monats im Verein. Natürlich sind die Spieler und das Training das Wichtigste, aber wenn man weiß, wie Analyse funktioniert, hilft sie. Hin und wieder kriegen wir sogar Bilder von anderen Vereinen. Man kann einen Plan entwickeln, sich eine Strategie zurechtlegen. Jedes Spiel, jeder Gegner ist anders. Noch besser ist natürlich, wenn ich mir einen Gegner vorher live ansehen kann, deshalb gehe ich oft auf andere Plätze.
Vielen Dank, auch an die Mannschaft, und euch allen eine weiterhin erfolgreiche Saison.
Interview: Gerd Thomas
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