Überfall-Kommando vom Casino schnappt den Pokal
„Campeones, Campeones …“, so schallte es über die Sportanlage Lichterfelde. Soeben hatte die Freizeitmannschaft von Inter Casino den turmhohen Favoriten von Schnappes in die Schranken verwiesen und den Berliner Pokal der Kleinfeldteams geholt. Vor drei Jahren hatte man noch das Nachsehen, nun war man am Ziel und hatte dem Gegern von Schnappes Borsigwalde das Double vermasselt.
Da Schnappes im Schnitt deutlich jüngere Leute aufbietet, brauchte es eine besondere Taktik. Und die ging so: Wir gehen in den ersten 10 Minuten einfach so hoch in Führung, dass der Gegner nicht mehr zurückschlagen kann. Pablo netzte entsprechend gleich mal in der ersten Minute ein. Und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, legte Navid in der 10. Minute nach. Pablo dachte sich: Warum nicht noch einen drauflegen? So stand es nach 12 Minuten gegen völlig überrumpelte Borsigwalder 3:0 für Inter Casino, was beim Gegner sichtlich für Schnappatmung sorgte. Denn Inter hatte bis kurz vor der Halbzeit alles im Griff. Nur einmal musste Leo überragend eingreifen und einen Volley aus der Drehung aus drei Metern abwehren. Sensationell! Der Torhüter der Gegner nahm einen Konter weg, indem er den Ball außerhalb des Strafraums mit der Hand spielte, es gab nur Gelb - enge Kiste. Ein Foul gegen Inter wurde nicht als Neunmeter identifiziert, ohne Linien ist es ganz schwer zu sagen und kein Vorwurf an das Gespann. Der Freistoß brachte nichts ein. Schnappes wurde zunehmend etwas körperlicher. Bei einem Zweikampf in der Luft wurde ein Inter-Spieler schwer verletzt, der Ellenbogen musste wieder eingerenkt werden. Danach war etwas Unordnung, aus der heraus das überraschende 1:3 fiel.
Im zweiten Abschnitt zog sich Inter zurück und verlegte sich aufs Kontern. Christoph musste vorne oft allein ackern und die Bälle festmachen, die er dann versuchte, auf seine Mitspieler abzulegen. Aber es gelang kein erfolgreicher Abschluss. Auf der Gegenseite hatte Schnappes zwar Oberwasser, doch Ole, Andre, Julian und die anderen waren sehr konzentriert. Einmal wurde es brenzlig, als der schussstarke Spielmacher der Borsigwalder abzog. Leo war die Sicht versperrt, aber er hielt bravourös, konnte allerdings den Ball nicht festhalten. Doch ehe der Mittelstürmer einlochen konnte, schnellte Leos Hand raus, und er wischte die Kugel vor dem Stürmer weg. Was für eine sensationelle Szene.
Die Partie wurde intensiver, die nachlassenden Kräfte führten zu einigen Fouls. Das erfahrene Schiedsrichter-Trio hatte einiges zu tun, behielt aber den Überblick. Inter hielt den Laden bis zur letzten Minute dicht, ehe der Gegner noch einmal zuschnappte. Die Nachspielzeit wollte kaum enden, doch so ganz gefährlich wurde es nicht mehr, denn Inter spielte seine ganze Routine aus. Als endlich der Schlusspfiff ertönte, war der Jubel grenzenlos. Zwar hatten die Borsigwalder im zweiten Abschnitt klare Feldvorteile, doch unverdient war der Erfolg nicht. Inter Casino war die fußballerisch bessere und die abgeklärtere Mannschaft. Und das, obwohl die Stützen Viktor und Boschi nicht zur Verfügung standen. Es reichte, und so hat der FC Internationale nach dem Erfolg der 2. Herren den zweiten Pokalsieger. Das hatten wir auch noch nicht. Herzlichen Glückwunsch! Teamchef Nando war entsprechend zufrieden, auch wenn der Spielverlauf sicher drei Kilo gekostet hat.
Auf dem Nachbarplatz hätte Inter Akazie das Triple perfekt machen können. Gegen Don Bosco / Alemannia war man über das gesamte Spiel die überlegene Mannschaft. Doch mit dem Toreschießen haperte es. Selbst beste Chancen wurden ausgelassen, oft die falsche Entscheidung getroffen. Eigentlich kaum zu glauben, dass es nach 90 Minuten noch 0:0 stand. Es kam die Nachspielzeit, und es kam, was kommen musste. Ein letzter Eckball für Don Bosco rutschte einmal durch und war schon fast weg, als die Nummer 4 heranrauschte, den Ball ins Netz bugsierte und den Spielverlauf auf den Kopf stellte. Mit 0:1 verlor man eine Partie, die man eigentlich niemals verlieren durfte. Aber genau deshalb spielen und gucken wir dieses Spiel. Man weiß nie, was passiert, und manchmal passiert genau das Falsche. Trotzdem Glückwunsch zum Einzug ins Finale, auch wenn es nicht ganz gereicht hat. Das Runde muss ins Eckige, und das war es, was an diesem Tag fehlte.
Vielen Dank an den Berliner Fußball-Verband für die Ausrichtung und Durchführung des Wettbewerbs. Alles war super: Wetter, Essen, Getränke … Nur die Plätze sind auch in Lichterfelde eines Finales nicht würdig. Ein knochentrockener Kunstrasen, der nicht gewässert werden kann, ist zwar typisch für die Berliner Sportpolitik, aber am Ende doch eine Frechheit und eine Zumutung für die Spieler. Wer weiß, ob die schwere Verletzung auf einem anderen Platz auch so passiert wäre. Nun, der Bausenator stand beim Casino-Spiel an der Linie. Er erfährt jedes Wochenende, wie groß das Versagen der Berliner Sportpolitik ist.
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