Arbeitsmarktperspektiven für junge Menschen mit Hilfe des Sports verbessern

08. 07. 2021

„Situationen und Perspektiven des Arbeitsmarktes und der Einbindung Jugendlicher in den Arbeitsmarkt“, so lautete der Titel eines spannenden Fachgesprächs der Stiftung flexible Arbeitswelt. Die Vorstände Thomas Hetz und Wilhelm Oberste-Beulmann hatten die Bundestagsabgeordnete Jana Schimke (CDU Brandenburg) in die Räume des bbw Bildungswerks in Charlottenburg eingeladen. Mit am Tisch saßen fachkundige Arbeitsmarkt:Expertinnen aus Wirtschaft, Sport und EU. Frau Schimke erfuhr viel über Problemstellungen in den Personalabteilungen der Unternehmen, aber sie konnte  auch eine Reihe von Vorschläge mitnehmen, wie dem Fachkräftemangel beizukommen sei. So betonte der Mitveranstalter und Vizepräsident Marketing des Berliner Fußball-Verbands Jörg Wirtgen seinen Wunsch, Wirtschaft und Vereinssport mehr zusammenzubringen. So könnten bspw. neue Koalitionen zwischen örtlichen Unternehmen und Fußballvereine begründet werden. Diesen Gedanken nahm Sophia Eltrop von den Stadtwerken Potsdam sofort auf und vereinbarte einen Austausch darüber.

Bundestagsabgeordnete Jana Schimke bemängelte die fehlenden bzw. falschen Werte von Jugendlichen. Deren Engagement müsse sich steigern, gleichwohl wisse sie natürlich auch über die Versäumnisse des Bildungssystems. Allerdings sei der Kampf um das Geld allgegenwärtig. Alle Teilnehmenden waren sich komplett einig, dass mehr in Bildung investiert werden müsse. Trendforscherin Andrea Gudda fand dabei deutliche Kritik an der digitalen Qualifikation der Lehrkräfte. Deutschland habe kein Problem mit der Beschaffung von Endgeräten. Aber wenn Spenden von Privatleuten nicht möglich seien und die Pädagogen ein i-Pad nicht bedienen könnten, läge das Problem nicht bei den Jugendlichen.

Bernd Becking, EU-Beauftragter für Arbeitsmarktpolitik und ehemaliger Chef der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg mahnte: „Bildungsarmut ist die Mutter aller Probleme.“ Viele Jugendliche in schwierigen Umfeldern seien von Eltern oder Lehrkräften kaum noch zu erreichen. Hier brauche es dringend Lösungsansätze und Differenzierung. Die Berliner Bezirke Neukölln oder Hellersdorf hätten andere Probleme als Cottbus oder Luckenwalde. Sylvia Borcherding von 50 Hertz als auch Kerstin David von der Provinzial setzten sich dafür ein, den Wert und das Image von Arbeit neu zu beleuchten. Junge Menschen würden sich heute nicht allein über Arbeit definieren. Die Zeiten, in denen Leute ein Leben lang in einem Unternehmen blieben, gehören der Vergangenheit an. Einige Branchen hätten besonders große Probleme, so die Gastronomie oder Speditionen. Henning Krumrey von ALBA erläuterte, dass in Deutschland rund 50.000 LKW-Fahrer fehlen. Ein Grund dafür: Vor Abschaffung der Wehrpflicht hätten viele Leute ihren Führerschein bei Bundeswehr oder NVA gemacht. Alternative Modelle wären nicht geschaffen worden.

Und noch eins wurde klar: Viele Unternehmen müssen attraktiver werden. Gerd Thomas vom FC Internationale stellte fest: „Ein Fußballspieler, der dreimal in der Woche Training und am Samstag ein Spiel hat, geht nicht in den Einzelhandel. Es sei denn, der Einzelhandel stellt sich auf dessen  Bedürfnisse ein.“ Künftig wird dieser das tun müssen, will er genügend Personal zur Verfügung haben. Jörg Wirtgen betonte, die Arbeitgeber dürften sich von einigen schwierigen Erkenntnissen nicht abschrecken lassen. Und der Geschäftsführer der bbw-Gruppe Sascha Flemnitz stellte fest, alle müssten weiter nach Lösungsansätzen suchen. Gerade durch die sich verändernde Demografie seien kreative Prozesse und Austauschformate über die künftigen Herausforderungen wichtig.

Die Diskussion soll fortgesetzt werden, zu viele Fragen bleiben noch offen. Vor allem wie vermieden werden kann, dass junge Menschen abgehängt werden und wie Erwachsene die Lebenswelten von Jugendlichen besser verstehen lernen. Denn klar ist: Auch bei den Vorbildern hat sich einiges geändert. Haben sich frühere Generation noch stark an den Eltern orientiert, sind heute Berufswünsche wie Rapper, Fußballprofi oder Influencer keine Seltenheit. Mancher Erwachsener mag das belächeln, aber der Fachkräftemarkt ist so angespannt, dass Personalabteilungen gut daran tun, Jugendliche ernst zu nehmen und mit ihnen in einen konstruktiven Dialog zu treten. War bislang die Kommunikation die Königsdisziplin in den Unternehmen, dürfte es künftig das Personalmarketing sein. Insofern dürfte es nicht überraschen, dass aus diesem Kreis sowohl weitere Veranstaltungen als auch gemeinsame Projekte zu den Themen Jugend, Zukunft, Forschung und Wirtschaft geplant werden sollen. 

Zum Abschluss erhielt Gastgeber Sascha Flemnitz noch ein NO-RACISM-Sondertrikot des FC Internationale überreicht. Da eines seiner Spezialgebiete die Diversität ist, passte das auf den Punkt. Vielen Dank für die Einladung und den sehr anregenden Austausch.

 

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