So dunkel, als wäre man in der Inter-Arena
Für Fotografen war das Spiel auf dem finsteren Platz eine echte Herausforderung, für einige Spieler auch. Dass Viktoria in schwarz und auch Inter nicht in den Vereinsfarben, sondern in gewöhnungsbedürftigem mausgrau auflief, machte die Sache nicht leicher. Tatsächlich ging alles viel zu schnell. Schon nach vier Minuten lag Inter bei Viktoria mit 0:2 zurück. Jascha brachte Inter zurück in die Spur, doch fünf Minuten später war der Zwei-Tore-Abstand schon wieder hergestellt. Doch Inter verkürzte wieder, dieses Mal durch einen sicher verwandelten Elfmeter von Gaston. Nun aber los mit der Aufholjagd. Dachten alle Inter-Fans, allerdings nur eine Minute. Da hatte der sehr schnelle junge Torjäger von Viktoria in der 24. Minute schon wieder auf 4:2 gestellt. Es war zum Haareraufen. Das Spiel war wirklich wild, es gab sehr viele Torchancen, doch bis zur Halbzeit fiel kein weiterer Treffer. Dass es zu dieser Torflut kam, mag auch am schummrigen Licht gelegen haben. Zumindest machte es den Eindruck, einige Spieler hätten große Mühe mit der düsteren Atmosphäre. Dass auf vielen Plätzen immer noch die dunklen und energiefressenden alten Flutlichter anstelle moderner und sparsamer LED-Leuchten stehen, zeigt wieder einmal, wie bescheiden es um die Sport- und Umweltpolitik in Berlin bestellt ist - bezirksübergreifend.
Wie auch immer, nach dem Wechsel sollte es besser werden. Dieser Vorsatz hielt nicht einmal eine Minute, da hatte Viktoria schon wieder zugeschlagen und das Spiel entschieden. Zwar markierte Jascha mit seinem zweiten Treffer per wundervoller Kopfball-Bogenlampe noch das 3:5, aber dann brachen alle Dämme. Jesper handelte sich nach seinem erst zweiten Foul eine gelb-rote Karte ein. Hart für ihn, aber für ein taktisches Foul gibt es nun einmal gelb. Inter fing sich noch vier weitere Tore ein, scheiterte selbst aber am Torhüter oder schoss knapp vorbei. Am Sieg für Viktoria gab es nichts zu rütteln. Vielleicht stand man gegen die sehr schnellen Spieler, einige von ihnen aus der A-Jugend-Bundesliga gekommen, etwas zu hoch. Zudem rutschten in der Mitte des Spielfeldes einige Bälle durch, so dass unsere Abwehr kaum zur Ruhe kam. Aber man musste auch auf sehr viele Spieler verzichten.
Neun Tore hört sich dramatisch an, aber die Zweite hat auch schon neun Dinger eingeschenkt bekommen, um dann überraschend aus den zwei folgenden schweren Spielen vier Punkte zu holen. Das sollte auch das Motto der Ersten sein. Die nächsten Wochen werden wegweisend sein, denn man tritt gegen Teams aus der unteren Hälfte an. Die ersten Sechs sind alle gespielt. Einige fantasieren ja, man könne ganz oben mitspielen. Sie sollten sich vergegenwärtigen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen und wir die Ansprüche nicht zu hoch schrauben sollten. Die Mannschaft macht das bisher gut, nimmt das höhere Tempo in der Liga an und wird sicher ihre Punkte holen. Solche Unfälle wie gestern passieren auch anderen. Abhaken und auf den nächsten Gegner konzentrieren! Hoffentlich lichtet sich das Lazarett bald.
Am Samstag geht es schon weiter, dann zu Hause im Derby gegen das Schlusslicht Croatia, welches Luftlinie einen Kilometer weiter in Tempelhof residiert. Anpfiff ist um 14 Uhr auf dem Ella-Barowsky-Platz.
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