Von der Inter-Jugend zum Profifußballer
Kolja Oudenne, geboren am 11.11.2001, trat mit vier Jahren beim FC Internationale ein und spielt heute als Profi bei Hannover 96, aktueller Spitzenreiter der 2. Bundesliga.
Sein Weg in den Profifußball war nicht immer gradlinig, aber am Ende erfolgreich. Das Talent war früh zu erkennen, doch trotz des Interesses anderer Vereine blieb bis zu seinem 13. Lebensjahr beim FC Internationale, spielte oftmals schon bei den ein Jahr Älteren mit. Später lief er sogar für die U17 von Schweden auf, wo ein Teil seiner familiären Wurzeln liegt.
Wir freuen uns über seinen Werdegang und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft. Am letzten Sonntag hat er uns besucht. Unser Vereinsvorsitzender Gerd Thomas hat ausführlich mit ihm gesprochen und natürlich ein Trikot von Hannover 96 erhalten.
Hallo Kolja, wie schön, dich an deiner alten Wirkungsstätte in der Inter-Arena wiederzusehen. Wir freuen uns sehr. Wie fühlst du dich in deinem alten Wohnzimmer?
Es ist einfach unheimlich schön, mal wieder hier zu sein. Hier begann meine Laufbahn, hier habe ich viele Freunde gefunden, hiermit verbinde ich viele großartige Erlebnisse. Wenn ich hier stehe, fühle ich mich ein paar Jahre zurückversetzt und mir fallen wieder lauter schöne Spiele ein.
Du bist in der C-Jugend von Inter zu Hertha BSC gewechselt. Ich weiß noch, dass mich kurz darauf ein Scout von Bayern München anrief und nach dir fragte. Ich habe seine Nummer an deinen Vater gegeben, ein paar Monate später warst du tatsächlich an der Säbener Straße.
Das war eine Riesensache, zu Bayern München zu wechseln. Dort habe ich mit heutigen Profis wie Angelo Stiller und Benedict Hollerbach gespielt. Angelo war immer schon unheimlich stark, aber er ist vielen gar nicht so aufgefallen, weil er seine Arbeit so sachlich verrichtet.
Bei dir war der Weg zum Profi nicht so gradlinig. Aber letztlich hat es doch geklappt.
Ich bin nach der Jugend zunächst zu Hertha Zehlendorf, dann zu Tasmania und später in die Regionalliga zu Altglienicke gewechselt. Dann kam der Kontakt zu Hannover 96 II zustande. Der damalige Trainer der Profis, Stefan Leitl (heute Hertha BSC), hat mich dann ins Trainingslager der Profis genommen, bei denen ich dann mehrere Spiele in der 2. Liga absolvieren durfte. Ich bin dem Trainer und dem Verein sehr dankbar, dass man langfristig bis 2028 mit mir plant, und hoffe das Vertrauen rechtfertigen zu können.
Wie war dein erstes Spiel im Profibereich?
Das war wirklich aufregend, ich weiß es noch wie heute. Das Spiel war am 17.09.2023 gegen Osnabrück. Das Datum habe ich sofort parat.
Dein neuer Trainer heißt Christian Titz. Ein Satz zu ihm.
Es ist unglaublich, wie intensiv man sich mit Fußball beschäftigen kann, was er sieht, welche Schlüsse er zieht und was er uns vermittelt. Ein Beispiel: Ein Wechsel in meiner Jugend zu einem Profiverein ist einst gescheitert, obwohl ich eigentlich richtig gut mittrainiert hatte. Hinterher sagte man mir, ich hätte zu oft den Außenrist genommen. Christian Titz hat uns hingegen erklärt, dass man mit dem Außenrist bei der Ballmitnahme – vorausgesetzt man benutzt ihn richtig – entscheidende Sekundenbruchteile gewinnt.
Und am nächsten Wochenende triffst du auf deinen alten Verein und deinen alten Trainer. Ihr spielt im Niedersachsenstadion gegen Hertha BSC.
Auch wenn ich nur ein Jahr bei Hertha war, ist es trotzdem etwas Besonderes im Stadion in Hannover, das wunderschön am Maschsee liegt, den Verein aus meiner Heimatstadt zu empfangen. Das wird kein Spaziergang. Als ich in der letzten Saison zum ersten Mal gegen Hertha im Olympiastadion spielen durfte, war das schon etwas ganz Besonderes. Es waren 66.000 Zuschauer da, das Stadion war fast ausverkauft und wir trennten uns 1:1.
(Kleiner Einschub. Ein 10-jähriger Inter-Spieler und Hertha Fan auf die Frage, ob er weiß, dass Koljas Verein in Kürze gegen seinen spielt: „Ja, ich weiß, da werden wir wieder verlieren!“ Gelächter über den Realismus, der schon bei den Jüngsten vorherrscht und aufmunterndes Schulterklopfen für den talentierten Nachwuchsspieler.)
Bei Inter gibt es zwar eine Reihe von Hertha-Fans, aber trotzdem wünsche ich dir alles Gute für das Spiel - zumal es bei Inter auch erstaunlich viele Hannoveraner und 96-Fans gibt. Ihr seid Tabellenführer, habt jedes Spiel gewonnen. Geht es so weiter?
Es sind erst vier Spiele absolviert, aber es läuft bisher wirklich gut. Wir wollen die Leistungen stabilisiere und wollen natürlich weiter so erfolgreich wie möglich sein. Es sind viele Teams auf einem ähnlichen Niveau. Aber unterschätzen darf man auch kein Team. Die Saison ist lang.
Hannover wäre doch eigentlich ein Ort für einen Bundesligisten, oder?
Die Fans können die Mannschaft tragen, der Verein hat viel Potenzial, Hannover ist Landeshauptstadt und war lange Bestandteil der 1. Liga. Wir wollen den Verein natürlich perspektivisch da wieder hinbringen.
Was ist eigentlich das Wichtigste, wenn man im Profibereich angekommen ist?
Man darf nie den Spaß verlieren. Druck ist ohnehin immer da, das gehört zum Geschäft. Aber nur wenn man Spaß hat, spielt man auch gut und es gelingen positive Aktionen.
Und was ist besonders schwierig?
Man muss lernen, dass es nicht immer nur nach oben geht. Es gibt Höhen und Tiefen. Wenn man spürt, dass man nicht den allerbesten Tag erwischt hat, muss man auf die Zähne beißen, darf trotzdem nie aufgeben. Das Durchhaltevermögen und der Wille zur stetigen Verbesserung müssen einfach vorhanden sein. Das gilt auch für das Training, für Testspiele. Jede Einheit und jedes Match zählen.
Wenn ich zurückblicke, warst du immer ein sehr kreativer und flexibler Spieler.
Schön zu hören, ich kann Kreativität aber nur abrufen, wenn ich Spaß habe. Den habe ich in Hannover auf jeden Fall, ebenso tolle Mitspieler. Ich kann auf verschiedenen Positionen spielen. Aber egal, wo mich der Trainer einsetzt, es ist die Freude am Spiel, die einen in den Flow bringt.
Um Leistung abzurufen, muss man sicher auch bewusst leben. Wie ist das bei dir?
Ich trinke fast nur Wasser und achte auf gute Ernährung. Das ist heute Standard. Kohlehydrate sind wichtig, Nudeln, Reis, Kartoffeln, einige Profis leben sogar vegan oder vegetarisch. Wichtig ist immer, dass man sich gesund ernährt, kein Fastfood oder so.
Wie läuft dein Trainingstag ab?
Wir treffen uns oft zwischen 8.00 und 8.30 Uhr, frühstücken gemeinsam. Dann gibt es meistens Videoanalysen, Athletiktraining, bei Bedarf Physiotherapie, Kraftübungen. Auf dem Platz sind neben dem Cheftrainer drei Co-Trainer dabei, wir sind also sehr gut betreut. In der Vorbereitung geht es intensiver zu, Indoor-Mobility, Krafttraining und natürlich auch intensive Laufeinheiten. Das brauchen alle Fußballer vor der Saison.
Was rätst du jungen Spielern, z. B. in deinem Heimatverein FC Internationale?
Geduldig sein, dranbleiben, Spaß haben und sich in schwierigeren Phasen nicht hängenlassen, sondern durchbeißen. Um weit zu kommen, braucht es auch Glück, das beim Fußball manchmal eine größere Rolle spielt, als die meisten denken.
Die letzte Frage gilt natürlich auch dem FC Internationale, wo du knapp 10 Jahre gespielt hast. Verfolgst du das Geschehen und wie bewertest du die Entwicklung des Vereins?
Von außen sieht es alles sehr stabil aus. Ihr geht den Weg weiter, den ihr damals eingeschlagen habt und von dem ich ein Teil sein durfte. Auch wenn ich aus Hannover keine Details verfolgen kann, wirkt es auf mich immer noch sehr vernünftig. Die Inter-Arena bräuchte dringend einen neuen Kunstrasen, der war 2014 schon nicht im besten Zustand. Aber der neue Ella-Barowsky-Platz ist super und wirkt sehr ansprechend. Besonders schön ist, heute so viele nette Leute von früher wiederzutreffen. Vielleicht habt ihr Lust, mal nach Hannover zu einem 96-Spiel zu kommen.
Interview: Gerd Thomas, 07.09.2025
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