Startseite     Login     Impressum
 

Fanshop

Link verschicken   Drucken
 

Brief an den DFB

Sehr geehrter Herr Grindel,

Wir gratulieren Ihnen zur Wahl zum DFB-Präsidenten und wünschen Ihnen eine erfolgreiche Amtszeit. Gestatten Sie uns, dass wir Ihnen ein paar Anregungen mit auf den Weg geben. Zwar ist noch nicht ganz Weihnachten, wir haben dennoch einen Wunschzettel mit 11 + 1 Anliegen formuliert und würden uns freuen, wenn Sie sich dieser annehmen würden.

1. Werden Sie der Präsident der Amateure


Der DFB umfasst 25.000 Vereine, davon sind nur 54 in den drei Profiligen vertreten - das sind 0,2 % aller Vereine. Die DFL, ein Verband ausschließlich für die Bundesligisten, vertritt deren Interessen vehement und professionell. Die dort beheimateten Vereine spielen im wahrsten Sinne des Wortes in einer eigenen Liga. Sie benötigen keine große Unterstützung vom DFB. Sie sind selbst in der Lage, die Einnahmen und damit auch die längst nicht mehr vermittelbaren Spielergehälter stetig zu erhöhen. Ein Beispiel: Ein Top-Spieler des FC Bayern München verdient pro Woche ungefähr den Jahresetat des FC Internationale mit immerhin 50 Mannschaften und mehr als 1.000 Akteure im Spielbetrieb.

Werden Sie im Sinne eines solidarischen Gemeinwohls vor allem der Präsident der Amateure, denn die Proficlubs sind eh überproportional im DFB abgebildet. Denn um den klassischen Amateurfußball ist es nicht gut bestellt, also um 99,8 % der Vereine. Längst ist das Vertrauen in den DFB beschädigt, viele Vereinsverantwortliche geben frustriert auf und schimpfen auf „Die da oben“. Die Belastungen steigen, die Vereine sollen an vielen Stellen das reparieren, was die Politik nicht mehr hinkriegt: Prävention, Integration, Kinderschutz, Flüchtlingsarbeit und vieles mehr sind selbstverständliche Aufgaben geworden, die von den meisten gern erledigt werden. Aber die auch einen hohen Mehraufwand mit sich bringen.

Dazu kommen immer anspruchsvollere Eltern, die stetige schwierige Suche nach Ehrenamtlichen, marode Sportanlagen, Ganztagsschulen, verdichtete Stundenpläne an Hochschulen, eine extrem flexibilisierte Beschäftigungswelt mit dem Sport abträglichen Arbeitszeiten und vieles mehr. Lassen Sie die Amateure mit ihren Problemen nicht alleine. Und vor allem: Belasten Sie die Amateure nicht weiter. Der DFB-Masterplan hat in den meisten Vereinen kaum Akzeptanz. Fragen Sie die Amateure, warum das so ist. Und fragen Sie nach ihren wirklichen Bedürfnissen und Nöten. Setzen Sie sich sogar an die Spitze der Bewegung. Kämpfen Sie mit den Amateuren um eine größere Akzeptanz und für bessere Bedingungen. Sie würden es Ihnen danken.

2. Sorgen Sie für eine bessere sportliche Infrastruktur


Viele Sportanlagen in Deutschland sind in einem jämmerlichen Zustand. Umkleidekabinen verrotten, Duschen sind mit Legionellen befallen, die Beschaffenheit der Plätze gefährdet oftmals die Gesundheit. In Berlin wird bspw. immer noch ungeeigneter stumpfer Kunstrasen verbaut, der den Unfallkliniken die Patienten nur so zuspielt. Richten Sie ihr Augenmerk auf die Unterstützung der Amateurvereine mit adäquaten Sportanlagen. Nutzen Sie Ihre Verbindungen, machen Sie Druck auf Politik und Behörden. Sie sichern damit übrigens auch die Basis für den Erfolg der Nationalmannschaft bei großen internationalen Turnieren. Kein Tischler kann ein schönes Möbelstück fertigen, wenn er nur verrostetes Werkzeug hat. Kein Trainer kann Talente ausbilden, wenn er nicht die nötige Infrastruktur dafür hat. Bunte Werbespots der DFB-Amateurkampagne spiegeln die Realität leider nur höchst selten wieder. Der DFB hat fast 7 Millionen Mitglieder, eine starke Lobby für bessere Bedingungen. Im Vergleich dazu arbeiten in der weit einflussreicheren Autoindustrie knapp 800.000 Menschen.

3. Schützen Sie die Amateure vor unsolidarischen Anwohnern


Obwohl fast jede/r zehnte Deutsche Mitglied im DFB ist, mehr als der Deutsche Gewerkschaftsbund vereint, schaffen es immer wieder Anwohner, Platzsperren oder Nutzungseinschränkungen durchzusetzen. In den Innenstadtbezirken der großen Metropolen herrscht ein teilweise abenteuerlicher Sportstättenmangel, der organisierte Sport verliert zunehmend den Kampf um die Flächen. Gleichzeitig wollen immer mehr Leute immer länger Fußball spielen. In Berlin gibt es bereits die ersten Ü70-Teams, ihre Zahl wird wachsen. Dem FC Internationale sollen vom Sportamt Tempelhof-Schöneberg gerade in erheblichem Maße Trainingszeiten gestrichen werden, was das Ende für einige Teams und Projekte bedeuten würde. Da hilft auch der 2012 gewonnene Integrationspreis des DFB nichts.

Dennoch schaffen es meist neu zugezogene Einzelpersonen immer wieder, dass teilweise über 100 Jahre alte Sportanlagen eingeschränkt werden müssen. Sie kümmert es nicht, was mit den Sportlern passiert, welche gesellschaftliche Leistung der Fußball erbringt, so lange sie nur ihre Ruhe haben. Setzen Sie sich bei der Politik dafür ein, dass die Volkssportart Nummer 1 auch tatsächlich den riesigen Bedarf decken kann. Ohne ausreichende Sportstätten geht das nicht. Vielleicht könnte man im Zuge der EM-Bewerbung ein 1000-Plätze-Programm auflegen. Das würde an der Amateur-Basis sicher gut ankommen. Nötig wäre es allemal.

4. Klären Sie die Vorkommnisse um die WM 2006 restlos auf


Bitte klären sie zügig und schonungslos alle noch bestehenden Ungereimtheiten bezüglich der WM 2006 auf. Es kommt sowieso alles raus. Denn glücklicherweise haben wir in Deutschland noch tausende unabhängige Journalisten, die den Schutz der Pressefreiheit genießen und diesen auch überwiegend zum Wohle der Gesellschaft zu nutzen wissen. Also machen Sie schnell reinen Tisch und vermeiden sie scheibchenweise Enthüllungen. Es ist im Sinne des gesamten deutschen Fußballs, dass er nicht durch weitere Enthüllungen beschädigt wird. Denn mit jeder neuen Geschichte zur WM 2006 leidet auch das Ansehen der vielen engagierten Trainer und Ehrenamtlichen, die nichts dafür können.

5. Nutzen Sie die EM-Bewerbung 2024 für Werte über den Fußball hinaus


Sie haben die Bewerbung zur EM 2024 als Leuchtturmprojekt definiert. Nutzen Sie die Chance, die Bewerbungsschwerpunkte so zu setzen, dass sie dem originären Sinn einer internationalen sportlichen Großveranstaltung entsprechen: Fairplay, Völkerverständigung sowie das geeinte und friedliche Europa sollten im Vordergrund stehen. Aber auch Ökologie, Integration, Solidarität und Chancengleichheit müssen prominent berücksichtigt werden, ebenso wie der entschiedene Kampf gegen Doping. Sollte Deutschland den Zuschlag tatsächlich bekommen, hat es die Möglichkeit, der Welt zu zeigen, dass Fußball nicht nur Sport ist sondern auch integrativ und demokratiestärkend wirken kann. Binden Sie schon im Vorfeld Bürgerinnen und Bürger in die Überlegungen ein, nicht zuletzt aber die vielen Amateurvereine, die die Basis für den Profifußball darstellen. Sie werden viele interessante Vorschläge beisteuern können.

6. Helfen Sie den Vereinen bei der Integration und der Arbeit mit Geflüchteten


Der DFB und seine Vereine zeigen täglich die Vielfältigkeit Deutschlands und wie man es schafft, friedlich und solidarisch miteinander umzugehen. Der Fußball kann für das Land das Integrationsinstrument schlechthin sein. Die deutsche Nationalmannschaft hat durch die vielen Spieler mit Zuwanderungshintergrund deutlich an Leistungsfähigkeit und Zustimmung gewonnen. Bundestrainer Jogi Löw hat das in einer flammenden Rede verdeutlicht. Doch nicht nur Spieler wie Özil, Khedira, Boateng oder Gündogan stehen für Integration. Jedes Wochenende bei den Spielen und unter der Woche beim Training beweisen unzählige Amateurvereine, dass Klaus, Karim, Ken, Karlos, Kofi und Kim in ihren Teams hervorragend harmonieren. Bei der Hilfe für Geflüchtete leisten viele Vereine ebenfalls Großartiges, auch wenn hier bei verbesserte Bedingungen noch viel mehr möglich wäre. Helfen Sie, dass die Integrationsbemühungen der vielen Amateurvereine nicht behindert, sondern ihre Möglichkeiten ausgebaut werden. Damit diese auch künftig sagen können: Wir schaffen das!

7. Zeigen Sie mit dem DFB wieder mehr gesellschaftliches Engagement


Vielfach wird behauptet, Sport sei unpolitisch. Als ehemaliges Mitglied des Sportausschusses im Bundestag wissen Sie natürlich, das dem nicht so ist. Gerade der Fußball hat die Möglichkeit und die Kraft, gegen Rassismus, Antisemitismus, Ausgrenzung, Homophobie oder Behindertenfeindlichkeit deutliche Zeichen zu setzen. Diese hat er vor einigen Jahren auch schon forciert. Leider nehmen Diskriminierungen seit einiger Zeit wieder zu, nicht zuletzt auch auf den Fußballplätzen und in den Stadien. Der DFB muss sich neben dem „Kerngeschäft“ Fußball endlich wieder stärker für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben einsetzen, sich gesellschaftlich wieder entschlossen engagieren und klare Position gegen Diskriminierung beziehen. Dafür sollte er nicht zuletzt die Amateurvereine bei ihren vielfachen Bemühungen aktiv und mit den notwendigen Mitteln unterstützen. Bekenntnisse von Profisportlern in TV-Spots sind gut, reichen aber gewiss nicht aus. Die wahre Arbeit fällt an der Basis an.

8. Stärken Sie die Jugend und deren Ausbildung – auch bei den Amateuren


Woche für Woche trainieren Hunderttausende von Kindern und Jugendlichen in den Vereinen. Die Bedingungen für die Profivereine sind durch die opulenten Nachwuchsleistungszentren stetig verbessert worden. Im Amateurbereich hat sich hingegen wenig getan. Zwar machen immer mehr Trainer eine Lizenz, aber viele Probleme tauchen schon bei der fehlenden Infrastruktur und Ausstattung auf. Die Anforderungen an die Vereine werden gerade für den klassischen Breitensport immer schwerer. Ganztagsschulen und eine abnehmende Bereitschaft zum Ehrenamt sorgen dafür, dass die Trainingstermine manchmal nur schwer realisiert werden können. Wenn dann alle zwei Jahre einmal das DFB-Mobil mit ausgebildeten Trainern kommt, ist das sicher gut gemeint. Oft löst es aber einen gegenteiligen Effekt aus, als eigentlich gewünscht. Denn wenn die DFB-Trainer wieder weg sind, erwarten Eltern anschließend von den Vereinstrainern auch, dass sie mal eben ein ähnlich hochwertiges Training wie die beim Verband angestellten Coaches abliefern.

Ein weiteres Ärgernis ist die immer frühere Abwerbung von Talenten durch die Proficlubs, die teilweise schon Jagd auf F-Jugendliche machen. Viele Vereine haben das Talent dann zwar entdeckt und für den Fußball begeistert, haben aber nichts davon, meistens nicht mal eine Anerkennung. Ganz davon zu schweigen, dass viele Experten sich für einen möglichst langen Verbleib im Heimatverein aussprechen. Gestatten Sie an dieser Stelle den Einwand, dass es selbst von den Akteuren der A-Jugend-Bundesligisten durchschnittlich nur ein Spieler pro Jahrgang in die 1. oder 2. Liga schafft. Es braucht also deutlich mehr als ein paar Nachwuchsleistungszentren und DFB-Mobilen, um auf breiter Ebene eine nachhaltige und qualitative Jugendarbeit leisten zu können. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Jugend beim DFB mehr Einfluss bekommt, die Bedürfnisse der Amateurvereine und ihrer Trainer mehr berücksichtigt werden. In Berlin werden gerade die Gebühren für Trainerlehrgänge massiv erhöht, so schafft man keine Anreize zur Fortbildung. Die Jugend ist unsere Zukunft, heißt es so oft. Wir wollen dem nicht widersprechen. Doch wir müssen auch etwas daraus machen. Am besten, indem DFB und Vereine in den Dialog über die Jugendarbeit treten.

9. Unterstützen Sie das Ehrenamt aktiv und effektiv


Es wird immer schwerer, Verantwortliche für die Vereine zu finden. Die Bedingungen für Amateurvereine werden nicht leichter. Eine gute Konjunktur am Arbeitsmarkt führt dazu, dass immer weniger Leute Zeit finden, sich neben dem Beruf zu engagieren. Die großen Clubs sind längst professionell geführt, die meisten Breitensportvereine kommen den Anforderungen kaum noch nach. Nur mit aufwändigen Werbespots wird man dem Problem nicht beikommen.

Es braucht also eine Ehrenamtsoffensive, die nicht nur bunte Bilder produziert sondern Lösungen für die anstehenden Probleme entwickelt. Der DFB-Masterplan ist das in den Augen der meisten Vorstände nicht. Unlängst wurde angekündigt, die Bereiche DFB-Medien und DFB-Online zusammenzulegen. Für Amateurvertreter ist diese Maßnahme schwer zu beurteilen. Sie sorgt aber für die Sorge, dass gerade finanzielle Belastungen noch zunehmen. Für die Vereine ist aber das Gegenteil von Nöten. Nicht nur darüber ist eine offensive Kommunikation dringend notwendig.

10. Stärken Sie die Kommunikation, schaffen Sie Transparenz


Viele Vereine fühlen sich von der Kommunikation mit dem DFB abgehängt. Über die Landesverbände kommen nur unzureichende Informationen bei ihnen an. Der DFB wirkt mehr und mehr wie ein Raumschiff, schon die Landesverbände wirken für viele Verantwortliche unnahbar. Fragen Sie die Vereine, was Ihre Anliegen sind und kommunizieren Sie offen, was der DFB in den nächsten Jahren plant. Welche Aktivitäten stehen an, wie planen Sie die Umsetzung, welche Summen stehen zur Verfügung, und was kommt konkret auf die Vereine zu? Selbst sehr aktive und in der Regel gut informierte Vorstände wissen es nicht. Binden Sie die Amateure offensiv ein und wagen Sie mehr Mitbestimmung. Am Ende werden dabei alle gewinnen.

11. Schaffen Sie ein Innovationszentrum DFB


Der DFB und seine Vereine haben eine große gesellschaftliche Kraft, aber auch Verantwortung. Viele Vereine nehmen diese wahr, viele haben vielfältige Erfahrungen gesammelt und könnten diese weitergeben. Der DFB könnte mit seinen 7 Millionen Mitgliedern ein Hort der Innovation sein, wenn die Erfahrungen zusammengetragen, bewertet und weitergegeben würden. Das geht weit über Trainingsmethoden hinaus. So gibt es bspw. vielfältige Kooperationen mit anderen Trägern, interessante Vereinbarungen mit Kommunen oder moderne Ansätze zur Organisation eines Vereins. Nutzen Sie die Energie und das Wissen, stellen sie Wissenstransfers her, unterstützen Sie innovative Vereine und helfen Sie dabei, den Amateurfußball zukunftsfähig zu machen. Allein mit ein paar anonymen Anleitungen und Tipps auf www.fussball.de wird das nicht gelingen.

11 + 1. Stärken Sie die Basis über die Landesverbände


Zu guter Letzt noch ein Wort zur Auswechselbank bzw. zu den Ergänzungsspielern in den Landesverbänden. Fordern Sie die Landesverbände auf, noch mehr in die Amateurvereine hineinzuhorchen und auch kritische Anmerkungen an Sie weiterzugeben und mit Ihnen zu besprechen. Arbeiten Sie mit aller Kraft dafür, dass die Sorgen, aber auch die Ideen und Anregungen beim DFB ankommen. Dazu müssen Sie und Ihre Landespräsidenten offen und transparent kommunizieren, Vereine frühzeitig in Veränderungsprozesse einbinden, Unterstützung im Kampf mit Politik und Verwaltung vor Ort leisten, die Nöte der Vereinsvorstände ernstnehmen. Auch wenn der DFB nicht bei jedem Verein vorstellig werden kann, die Landesverbände müssen offensive Lobbyisten ihrer Vereine sein, denn von ihnen werden die regionalen Präsidien eingesetzt. Regen Sie in den Gesprächen mit Ihren Kollegen aus den Regionen an, dass diese den Amateurvereinen die maximale Unterstützung zukommen lassen und nicht den Eindruck vermitteln, sie würden die Belastungen noch erhöhen. Denn am Ende entscheidet immer auch eine gesunde und motivierte Basis über Erfolg oder Misserfolg.

Sehr geehrter Herr Grindel, wir würden uns freuen, wenn diese Anregungen bei Ihnen Gehör fänden. Für Fragen stehen wir gern zur Verfügung. Seien Sie sicher, wir können viel über die Probleme eines dennoch erfolgreichen Amateurvereins erzählen. Aber wir haben auch Ideen für Verbesserungen im Gepäck. Denn wir wollen auch künftig unserem gesellschaftlichen Auftrag nachkommen, engagierten und ambitionierten Breitensport anzubieten, Integration und Prävetion voranzutreiben, Neu-Berliner willkommen zu heißen und dem Bezirk und der Stadt damit zu einem Mehrwert zu verhelfen. Unterstützen Sie uns dabei, so gut Sie es können.

Auf eine gute Zusammenarbeit

Wolfgang Abitz und Gerd Thomas
(verantwortlicher Vereinsvorstand)
FC Internationale Berlin 1980 e. V.
E-Mailadresse: Sehr geehrter Herr Grindel,

Wir gratulieren Ihnen zur Wahl zum DFB-Präsidenten und wünschen Ihnen eine erfolgreiche Amtszeit. Gestatten Sie uns, dass wir Ihnen ein paar Anregungen mit auf den Weg geben. Zwar ist noch nicht ganz Weihnachten, wir haben dennoch einen Wunschzettel mit 11 + 1 Anliegen formuliert und würden uns freuen, wenn Sie sich dieser annehmen würden.

1. Werden Sie der Präsident der Amateure


Der DFB umfasst 25.000 Vereine, davon sind nur 54 in den drei Profiligen vertreten - das sind 0,2 % aller Vereine. Die DFL, ein Verband ausschließlich für die Bundesligisten, vertritt deren Interessen vehement und professionell. Die dort beheimateten Vereine spielen im wahrsten Sinne des Wortes in einer eigenen Liga. Sie benötigen keine große Unterstützung vom DFB. Sie sind selbst in der Lage, die Einnahmen und damit auch die längst nicht mehr vermittelbaren Spielergehälter stetig zu erhöhen. Ein Beispiel: Ein Top-Spieler des FC Bayern München verdient pro Woche ungefähr den Jahresetat des FC Internationale mit immerhin 50 Mannschaften und mehr als 1.000 Akteure im Spielbetrieb.

Werden Sie im Sinne eines solidarischen Gemeinwohls vor allem der Präsident der Amateure, denn die Proficlubs sind eh überproportional im DFB abgebildet. Denn um den klassischen Amateurfußball ist es nicht gut bestellt, also um 99,8 % der Vereine. Längst ist das Vertrauen in den DFB beschädigt, viele Vereinsverantwortliche geben frustriert auf und schimpfen auf „Die da oben“. Die Belastungen steigen, die Vereine sollen an vielen Stellen das reparieren, was die Politik nicht mehr hinkriegt: Prävention, Integration, Kinderschutz, Flüchtlingsarbeit und vieles mehr sind selbstverständliche Aufgaben geworden, die von den meisten gern erledigt werden. Aber die auch einen hohen Mehraufwand mit sich bringen.

Dazu kommen immer anspruchsvollere Eltern, die stetige schwierige Suche nach Ehrenamtlichen, marode Sportanlagen, Ganztagsschulen, verdichtete Stundenpläne an Hochschulen, eine extrem flexibilisierte Beschäftigungswelt mit dem Sport abträglichen Arbeitszeiten und vieles mehr. Lassen Sie die Amateure mit ihren Problemen nicht alleine. Und vor allem: Belasten Sie die Amateure nicht weiter. Der DFB-Masterplan hat in den meisten Vereinen kaum Akzeptanz. Fragen Sie die Amateure, warum das so ist. Und fragen Sie nach ihren wirklichen Bedürfnissen und Nöten. Setzen Sie sich sogar an die Spitze der Bewegung. Kämpfen Sie mit den Amateuren um eine größere Akzeptanz und für bessere Bedingungen. Sie würden es Ihnen danken.

2. Sorgen Sie für eine bessere sportliche Infrastruktur


Viele Sportanlagen in Deutschland sind in einem jämmerlichen Zustand. Umkleidekabinen verrotten, Duschen sind mit Legionellen befallen, die Beschaffenheit der Plätze gefährdet oftmals die Gesundheit. In Berlin wird bspw. immer noch ungeeigneter stumpfer Kunstrasen verbaut, der den Unfallkliniken die Patienten nur so zuspielt. Richten Sie ihr Augenmerk auf die Unterstützung der Amateurvereine mit adäquaten Sportanlagen. Nutzen Sie Ihre Verbindungen, machen Sie Druck auf Politik und Behörden. Sie sichern damit übrigens auch die Basis für den Erfolg der Nationalmannschaft bei großen internationalen Turnieren. Kein Tischler kann ein schönes Möbelstück fertigen, wenn er nur verrostetes Werkzeug hat. Kein Trainer kann Talente ausbilden, wenn er nicht die nötige Infrastruktur dafür hat. Bunte Werbespots der DFB-Amateurkampagne spiegeln die Realität leider nur höchst selten wieder. Der DFB hat fast 7 Millionen Mitglieder, eine starke Lobby für bessere Bedingungen. Im Vergleich dazu arbeiten in der weit einflussreicheren Autoindustrie knapp 800.000 Menschen.

3. Schützen Sie die Amateure vor unsolidarischen Anwohnern


Obwohl fast jede/r zehnte Deutsche Mitglied im DFB ist, mehr als der Deutsche Gewerkschaftsbund vereint, schaffen es immer wieder Anwohner, Platzsperren oder Nutzungseinschränkungen durchzusetzen. In den Innenstadtbezirken der großen Metropolen herrscht ein teilweise abenteuerlicher Sportstättenmangel, der organisierte Sport verliert zunehmend den Kampf um die Flächen. Gleichzeitig wollen immer mehr Leute immer länger Fußball spielen. In Berlin gibt es bereits die ersten Ü70-Teams, ihre Zahl wird wachsen. Dem FC Internationale sollen vom Sportamt Tempelhof-Schöneberg gerade in erheblichem Maße Trainingszeiten gestrichen werden, was das Ende für einige Teams und Projekte bedeuten würde. Da hilft auch der 2012 gewonnene Integrationspreis des DFB nichts.

Dennoch schaffen es meist neu zugezogene Einzelpersonen immer wieder, dass teilweise über 100 Jahre alte Sportanlagen eingeschränkt werden müssen. Sie kümmert es nicht, was mit den Sportlern passiert, welche gesellschaftliche Leistung der Fußball erbringt, so lange sie nur ihre Ruhe haben. Setzen Sie sich bei der Politik dafür ein, dass die Volkssportart Nummer 1 auch tatsächlich den riesigen Bedarf decken kann. Ohne ausreichende Sportstätten geht das nicht. Vielleicht könnte man im Zuge der EM-Bewerbung ein 1000-Plätze-Programm auflegen. Das würde an der Amateur-Basis sicher gut ankommen. Nötig wäre es allemal.

4. Klären Sie die Vorkommnisse um die WM 2006 restlos auf


Bitte klären sie zügig und schonungslos alle noch bestehenden Ungereimtheiten bezüglich der WM 2006 auf. Es kommt sowieso alles raus. Denn glücklicherweise haben wir in Deutschland noch tausende unabhängige Journalisten, die den Schutz der Pressefreiheit genießen und diesen auch überwiegend zum Wohle der Gesellschaft zu nutzen wissen. Also machen Sie schnell reinen Tisch und vermeiden sie scheibchenweise Enthüllungen. Es ist im Sinne des gesamten deutschen Fußballs, dass er nicht durch weitere Enthüllungen beschädigt wird. Denn mit jeder neuen Geschichte zur WM 2006 leidet auch das Ansehen der vielen engagierten Trainer und Ehrenamtlichen, die nichts dafür können.

5. Nutzen Sie die EM-Bewerbung 2024 für Werte über den Fußball hinaus


Sie haben die Bewerbung zur EM 2024 als Leuchtturmprojekt definiert. Nutzen Sie die Chance, die Bewerbungsschwerpunkte so zu setzen, dass sie dem originären Sinn einer internationalen sportlichen Großveranstaltung entsprechen: Fairplay, Völkerverständigung sowie das geeinte und friedliche Europa sollten im Vordergrund stehen. Aber auch Ökologie, Integration, Solidarität und Chancengleichheit müssen prominent berücksichtigt werden, ebenso wie der entschiedene Kampf gegen Doping. Sollte Deutschland den Zuschlag tatsächlich bekommen, hat es die Möglichkeit, der Welt zu zeigen, dass Fußball nicht nur Sport ist sondern auch integrativ und demokratiestärkend wirken kann. Binden Sie schon im Vorfeld Bürgerinnen und Bürger in die Überlegungen ein, nicht zuletzt aber die vielen Amateurvereine, die die Basis für den Profifußball darstellen. Sie werden viele interessante Vorschläge beisteuern können.

6. Helfen Sie den Vereinen bei der Integration und der Arbeit mit Geflüchteten


Der DFB und seine Vereine zeigen täglich die Vielfältigkeit Deutschlands und wie man es schafft, friedlich und solidarisch miteinander umzugehen. Der Fußball kann für das Land das Integrationsinstrument schlechthin sein. Die deutsche Nationalmannschaft hat durch die vielen Spieler mit Zuwanderungshintergrund deutlich an Leistungsfähigkeit und Zustimmung gewonnen. Bundestrainer Jogi Löw hat das in einer flammenden Rede verdeutlicht. Doch nicht nur Spieler wie Özil, Khedira, Boateng oder Gündogan stehen für Integration. Jedes Wochenende bei den Spielen und unter der Woche beim Training beweisen unzählige Amateurvereine, dass Klaus, Karim, Ken, Karlos, Kofi und Kim in ihren Teams hervorragend harmonieren. Bei der Hilfe für Geflüchtete leisten viele Vereine ebenfalls Großartiges, auch wenn hier bei verbesserte Bedingungen noch viel mehr möglich wäre. Helfen Sie, dass die Integrationsbemühungen der vielen Amateurvereine nicht behindert, sondern ihre Möglichkeiten ausgebaut werden. Damit diese auch künftig sagen können: Wir schaffen das!

7. Zeigen Sie mit dem DFB wieder mehr gesellschaftliches Engagement


Vielfach wird behauptet, Sport sei unpolitisch. Als ehemaliges Mitglied des Sportausschusses im Bundestag wissen Sie natürlich, das dem nicht so ist. Gerade der Fußball hat die Möglichkeit und die Kraft, gegen Rassismus, Antisemitismus, Ausgrenzung, Homophobie oder Behindertenfeindlichkeit deutliche Zeichen zu setzen. Diese hat er vor einigen Jahren auch schon forciert. Leider nehmen Diskriminierungen seit einiger Zeit wieder zu, nicht zuletzt auch auf den Fußballplätzen und in den Stadien. Der DFB muss sich neben dem „Kerngeschäft“ Fußball endlich wieder stärker für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben einsetzen, sich gesellschaftlich wieder entschlossen engagieren und klare Position gegen Diskriminierung beziehen. Dafür sollte er nicht zuletzt die Amateurvereine bei ihren vielfachen Bemühungen aktiv und mit den notwendigen Mitteln unterstützen. Bekenntnisse von Profisportlern in TV-Spots sind gut, reichen aber gewiss nicht aus. Die wahre Arbeit fällt an der Basis an.

8. Stärken Sie die Jugend und deren Ausbildung – auch bei den Amateuren


Woche für Woche trainieren Hunderttausende von Kindern und Jugendlichen in den Vereinen. Die Bedingungen für die Profivereine sind durch die opulenten Nachwuchsleistungszentren stetig verbessert worden. Im Amateurbereich hat sich hingegen wenig getan. Zwar machen immer mehr Trainer eine Lizenz, aber viele Probleme tauchen schon bei der fehlenden Infrastruktur und Ausstattung auf. Die Anforderungen an die Vereine werden gerade für den klassischen Breitensport immer schwerer. Ganztagsschulen und eine abnehmende Bereitschaft zum Ehrenamt sorgen dafür, dass die Trainingstermine manchmal nur schwer realisiert werden können. Wenn dann alle zwei Jahre einmal das DFB-Mobil mit ausgebildeten Trainern kommt, ist das sicher gut gemeint. Oft löst es aber einen gegenteiligen Effekt aus, als eigentlich gewünscht. Denn wenn die DFB-Trainer wieder weg sind, erwarten Eltern anschließend von den Vereinstrainern auch, dass sie mal eben ein ähnlich hochwertiges Training wie die beim Verband angestellten Coaches abliefern.

Ein weiteres Ärgernis ist die immer frühere Abwerbung von Talenten durch die Proficlubs, die teilweise schon Jagd auf F-Jugendliche machen. Viele Vereine haben das Talent dann zwar entdeckt und für den Fußball begeistert, haben aber nichts davon, meistens nicht mal eine Anerkennung. Ganz davon zu schweigen, dass viele Experten sich für einen möglichst langen Verbleib im Heimatverein aussprechen. Gestatten Sie an dieser Stelle den Einwand, dass es selbst von den Akteuren der A-Jugend-Bundesligisten durchschnittlich nur ein Spieler pro Jahrgang in die 1. oder 2. Liga schafft. Es braucht also deutlich mehr als ein paar Nachwuchsleistungszentren und DFB-Mobilen, um auf breiter Ebene eine nachhaltige und qualitative Jugendarbeit leisten zu können. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Jugend beim DFB mehr Einfluss bekommt, die Bedürfnisse der Amateurvereine und ihrer Trainer mehr berücksichtigt werden. In Berlin werden gerade die Gebühren für Trainerlehrgänge massiv erhöht, so schafft man keine Anreize zur Fortbildung. Die Jugend ist unsere Zukunft, heißt es so oft. Wir wollen dem nicht widersprechen. Doch wir müssen auch etwas daraus machen. Am besten, indem DFB und Vereine in den Dialog über die Jugendarbeit treten.

9. Unterstützen Sie das Ehrenamt aktiv und effektiv


Es wird immer schwerer, Verantwortliche für die Vereine zu finden. Die Bedingungen für Amateurvereine werden nicht leichter. Eine gute Konjunktur am Arbeitsmarkt führt dazu, dass immer weniger Leute Zeit finden, sich neben dem Beruf zu engagieren. Die großen Clubs sind längst professionell geführt, die meisten Breitensportvereine kommen den Anforderungen kaum noch nach. Nur mit aufwändigen Werbespots wird man dem Problem nicht beikommen.

Es braucht also eine Ehrenamtsoffensive, die nicht nur bunte Bilder produziert sondern Lösungen für die anstehenden Probleme entwickelt. Der DFB-Masterplan ist das in den Augen der meisten Vorstände nicht. Unlängst wurde angekündigt, die Bereiche DFB-Medien und DFB-Online zusammenzulegen. Für Amateurvertreter ist diese Maßnahme schwer zu beurteilen. Sie sorgt aber für die Sorge, dass gerade finanzielle Belastungen noch zunehmen. Für die Vereine ist aber das Gegenteil von Nöten. Nicht nur darüber ist eine offensive Kommunikation dringend notwendig.

10. Stärken Sie die Kommunikation, schaffen Sie Transparenz


Viele Vereine fühlen sich von der Kommunikation mit dem DFB abgehängt. Über die Landesverbände kommen nur unzureichende Informationen bei ihnen an. Der DFB wirkt mehr und mehr wie ein Raumschiff, schon die Landesverbände wirken für viele Verantwortliche unnahbar. Fragen Sie die Vereine, was Ihre Anliegen sind und kommunizieren Sie offen, was der DFB in den nächsten Jahren plant. Welche Aktivitäten stehen an, wie planen Sie die Umsetzung, welche Summen stehen zur Verfügung, und was kommt konkret auf die Vereine zu? Selbst sehr aktive und in der Regel gut informierte Vorstände wissen es nicht. Binden Sie die Amateure offensiv ein und wagen Sie mehr Mitbestimmung. Am Ende werden dabei alle gewinnen.

11. Schaffen Sie ein Innovationszentrum DFB


Der DFB und seine Vereine haben eine große gesellschaftliche Kraft, aber auch Verantwortung. Viele Vereine nehmen diese wahr, viele haben vielfältige Erfahrungen gesammelt und könnten diese weitergeben. Der DFB könnte mit seinen 7 Millionen Mitgliedern ein Hort der Innovation sein, wenn die Erfahrungen zusammengetragen, bewertet und weitergegeben würden. Das geht weit über Trainingsmethoden hinaus. So gibt es bspw. vielfältige Kooperationen mit anderen Trägern, interessante Vereinbarungen mit Kommunen oder moderne Ansätze zur Organisation eines Vereins. Nutzen Sie die Energie und das Wissen, stellen sie Wissenstransfers her, unterstützen Sie innovative Vereine und helfen Sie dabei, den Amateurfußball zukunftsfähig zu machen. Allein mit ein paar anonymen Anleitungen und Tipps auf www.fussball.de wird das nicht gelingen.

11 + 1. Stärken Sie die Basis über die Landesverbände


Zu guter Letzt noch ein Wort zur Auswechselbank bzw. zu den Ergänzungsspielern in den Landesverbänden. Fordern Sie die Landesverbände auf, noch mehr in die Amateurvereine hineinzuhorchen und auch kritische Anmerkungen an Sie weiterzugeben und mit Ihnen zu besprechen. Arbeiten Sie mit aller Kraft dafür, dass die Sorgen, aber auch die Ideen und Anregungen beim DFB ankommen. Dazu müssen Sie und Ihre Landespräsidenten offen und transparent kommunizieren, Vereine frühzeitig in Veränderungsprozesse einbinden, Unterstützung im Kampf mit Politik und Verwaltung vor Ort leisten, die Nöte der Vereinsvorstände ernstnehmen. Auch wenn der DFB nicht bei jedem Verein vorstellig werden kann, die Landesverbände müssen offensive Lobbyisten ihrer Vereine sein, denn von ihnen werden die regionalen Präsidien eingesetzt. Regen Sie in den Gesprächen mit Ihren Kollegen aus den Regionen an, dass diese den Amateurvereinen die maximale Unterstützung zukommen lassen und nicht den Eindruck vermitteln, sie würden die Belastungen noch erhöhen. Denn am Ende entscheidet immer auch eine gesunde und motivierte Basis über Erfolg oder Misserfolg.

Sehr geehrter Herr Grindel, wir würden uns freuen, wenn diese Anregungen bei Ihnen Gehör fänden. Für Fragen stehen wir gern zur Verfügung. Seien Sie sicher, wir können viel über die Probleme eines dennoch erfolgreichen Amateurvereins erzählen. Aber wir haben auch Ideen für Verbesserungen im Gepäck. Denn wir wollen auch künftig unserem gesellschaftlichen Auftrag nachkommen, engagierten und ambitionierten Breitensport anzubieten, Integration und Prävetion voranzutreiben, Neu-Berliner willkommen zu heißen und dem Bezirk und der Stadt damit zu einem Mehrwert zu verhelfen. Unterstützen Sie uns dabei, so gut Sie es können.

Auf eine gute Zusammenarbeit

Wolfgang Abitz und Gerd Thomas
(verantwortlicher Vereinsvorstand)
FC Internationale Berlin 1980 e. V.
E-Mailadresse: 

Ansprechpartner

Ansprechpartner

Hier findet ihr den Vorstand, sowie die richtigen Ansprechpartner beim FC Internationale!

Hier folgen Sponsoren.