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„Wenn Du Leistung bringst, kannst Du Dich überall durchsetzen“

08. 05. 2020

Internationale Begegnungen - 11 x 90 Sekunden /

Inter-Gründungsmitglied Jimmy Neyer im Gespräch über Fußball, Frieden und den FC Internationale

Heute vor 75 Jahren unterzeichnete die Deutsche Wehrmacht die bedingungslose Kapitulation und besiegelte damit das Ende des 2. Weltkriegs in Europa. In Asien ging der Krieg noch bis zum 2. September, bevor Japan nach dem Abwurf der schrecklichen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki auch kapitulierte. Dieser von Nazi-Deutschland angezettelte Vernichtungskrieg begann am 01.09.1939 mit dem feigen Überfall auf Polen. Am Ende des 2. Weltkriegs waren mehr als 60 Millionen Menschen ums Leben gekommen, viele von ihnen in deutschen Konzentrationslagern. Allein 25 Millionen Soldaten und Zivilisten aus der Sowjetunion sowie 6 Millionen Juden starben. Die führenden Nationalsozialisten wie Hitler, Göbbels, Himmler oder Göring forderten vom Volk Tapferkeit und Treue, entzogen sich selbst aber ihrer Verantwortung durch Selbsttötung.

Das geschichtsträchtige Datum 8. Mai war Anlass, um ein Gespräch mit einem der Vereinsgründer zu sprechen. Hans-Joachim Neyer, von allen nur Jimmy genannt, rief zusammen mit Mitstreitern wie Karl-Heinz Hamburger oder Wolfgang Dieckmann vor 40 Jahren den FC Internationale Berlin 1980 e. V. ins Leben. Wenige Monate später gab es das erste Friedensturnier, welches Anlass unseres Interviews war. Unter dem Motto „Internationale Begegnungen – 11 x 90“ versuchen wir uns an einem neuen Format. Ein Gast erhält 11 Fragen und hat je 90 Sekunden Zeit für die Antwort. Wird die Zeit überschritten ertönt ein Pfiff des im Hintergrund agierenden Schiedsrichters. In Ausnahmefällen kann es noch eine kleine Nachspielzeit geben. Beim ersten Gespräch gab es noch ein paar technische Probleme, aber wir arbeiten daran, diese zu beheben. Daher gibt es hier zunächst eine Zusammenfassung in schriftlicher Form, bevor wir das Filmmaterial nachreichen. Vielen Dank an Jimmy für das spannende Gespräch, das von unserem Inter-Vorsitzenden Gerd Thomas geführt wurde.


 

Gerd Thomas (11 x 90):

Hallo Jimmy. Schön, dass du da bist. Es gibt mehrere Bezeichnungen für den 8. Mai 1945. Tag der Befreiung, Tag der Kapitulation, Victory in Europe Day. Wie nennst Du diesen Tag?

Jimmy Neyer:

Ganz klar, Tag der Befreiuung. Ich habe lange in Frankreich gelebt, in Europa empfindet man das Datum als Tag als Befreiuung. Mir ist jetzt noch einmal klar geworden, dass auch die Gründung des FC Internationale unter dem Eindruck von Spannungen stand, der zwischen Ost und West. Das zeigte sich dann auch im Konflikt um den Namen, den der Verband wegen des E am Ende des Namens verbieten wollte. Wir argumentierten, wir wollten auch mal gegen Internationale Mailand spielen, aber da hieß es: „Ach, die Italiener - alles Kommunisten.“ Am Ende blieb das E. Wir haben dann sehr schnell ein Friedensturnier ins Leben gerufen, auch Profis wie Lienen oder Völler solidarisierten sich.

11 x 90

Das heißt, der damalige West-Berliner Verband hat den FC Internationale politisiert? Heute ist der Verein einer der größten in Berlin, der Name ist Programm und ein Beispiel für Multikulti.

Jimmy Neyer:

Ich spielte bei einer Gruppe namens Internationale Studenten. Karl-Heinz Hamburger brachte einige richtig gute Fußballer von Berliner Vereinen mit. Eigentlich sollte der Verein mal 1. FC Berlin heißen, aber der Name war geschützt. Also namen wir Internationale Berlin, auch im Sinne von Völkerverständigung.

11 x 90

Ihr habt dann ein Friedensturnier ins Leben gerufen. Als 1. Preis gab es keinen Pokal, sondern eine Nachbildung des berühmten Bildes „Guernica“ von Picasso.

Jimmy Neyer:

Die Zeit stand im Zeichen der Friedensbewegung. Wir hatten Shirts mit der Friedenstaube und wollten mit dem Bild ein Zeichen setzen. Guernica ist eine Stadt im spanischen Baskenland, das von deutschen Jagdbombern vernichtet wurde.

11 x 90:

Haben die Berliner Vereine denn mitgemacht?

Jimmy Neyer:

Wir hatten sofort viele Zusagen, von Hansa 07, Anadoluspor, Cimbria, Kladow… Dann hat der Verband auf einige Druck ausgeübt und gesagt, die wollen doch nur Politik auf dem Rücken des Fußballs machen. Wir stellten die Gegenfrage „Welcher Partei gehört der Frieden?“ und zogen das Turnier durch. Leider hatten wir richtig besch… Wetter und gingen später auf Pfingsten.

11 x 90:

Wir schlagen den Bogen zur heutigen Zeit. Wir haben sehr viele junge Menschen im Verein, aber auch den aktuellen Berliner Meister der Ü60, vielleicht den längsten Meister der Geschichte. Zurück zum 8. Mai: Gibt es zu diesem Datum ein Motto oder eine Botschaft, die du den Leuten mitgeben möchtest, gerade auch den jungen Menschen?

Jimmy Neyer:

Achtgeben, das ist ja das große Motto. Die Corona-Krise wird zu einer Konzentration in der Wirtschaft führen, die Schere zwischen Arm und Reich könnte noch weiter auseinandergehen. Da muss man sehen, wie man überleben kann. Und man kann nicht nur durch Fußball überleben. Jimmy Hartwig hat gesagt: „Als ich merkte, es muss ohne Fußball weitergehen, da hat mein Leben eine Wende bekommen.“ Ich finde die Gründungsidee immer noch gut. Kein Geld für den Fußball, aber dennoch leistungsbezogen spielen. Wenn Du Leistung bringst, kannst Du Dich überall durchsetzen. Was ich bei Inter schätze, ist die professionelle Trainerarbeit. Es geht nicht nur daraum, Fußballer auszubilden, sondern Persönlichkeiten auszubilden. Ich wünschte mir, dass die Profis Geld nach unten geben, um die Amateure besser auszustatten.

11 x 90:

Als wir uns das erste Mal getroffen haben, warst Du unheimlich begeistert. Die vielen Kinder und Jugendlichen, die vielen tollen Trainerinnen und Trainer, davon warst Du sehr angetan. Was macht heute für Dich der FC Internationale aus?

Jimmy Neyer:

Immer noch der Fußball. Ich finde schon großartig, wie unsere Erste sich in der Landesliga entwickelt hat. Würde die Saison fortgeführt, könnten sie um den Aufstieg mitspielen. Das Team, auch das Trainerteam, ist hervorragend. Der Fußball, den die spielen, der ist richtig top. Aber auch die Jugendteams in der Verbandsliga machen mir viel Spaß, die spielen alle Verbandsliga, was ja auch Top-Niveau ist. Ob Regionalliga und Fahrten nach Rostock für uns das Richtige sind? Das ist sicher schwierig. Wir sollten den Stand zumindest konsolidieren und dafür sorgen, dass wir mehr Mittel für den Jugendfußball bekommen.

11 x 90:

Gibt es noch etwas, das Du in der Nachspielzeit anbringen möchtest?

Jimmy Neyer:

Vielleicht kann ich hier eine Anregung geben. Es gibt ja durchaus einige Leute im Verein, denen es finanziell sehr gut geht. Sie sollten den FC Internationale unterstützen. Gut fände ich auch, wenn wir viele davon überzeugen könnten, den Verein in ihrem Testament zu bedenken. Schließlich hat der Verein in unserem Leben einen ganz wesentlichen Platz eingenommen. Da wäre es schön, wenn wir am Ende dieses Lebens etwas zurückgeben würden.

11 x 90:

Lieber Jimmy, das war ein sehr anregendes Gespräch. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Wir sehen uns hoffentlich bald wieder auf dem Platz.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: „Wenn Du Leistung bringst, kannst Du Dich überall durchsetzen“

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